Im Gespräch mit:

Pascale Bruderer

Die Schweiz hat 2014 die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Das Ziel ist eine inklusive Gesellschaft. Und Inklusion heisst aufeinander zugehen – Brücken bauen. Da Hörbehinderung eine Behinderung in der Kommunikation ist, betrifft sie immer alle Gesprächsteilnehmenden. Die Ausstellung macht die Seite der gehörlosen und schwerhörigen Menschen erlebbar. Und baut damit Brücken. Deshalb unterstütze ich die Ausstellung "unerHÖRT erleben".

Sounding Board

Unser tolles, engagiertes Team hinter den Ausstellungselementen: (von links) Silvio Zgraggen, Martin Wiedmer, Maria Karrer, Ramona Studinger, Stefan Bammert und Lukas Tschudin. Sie haben mit ihren Inputs aus den je eigenen Strategien im Umgang mit ihrer Hörbehinderung die Ausstellungselemente geprägt und bereichert. Unter der Leitung von Martin Wiedmer. Wir sagen herzlich danke für euren wertvollen Einsatz! Gespannt auf die Ausstellung? Besucht uns an der Erlebnisausstellung vom 17. – 19. Mai 2019 in der Kornschütte Luzern.

Ramona zeigt uns die Gebärde für "unerHÖRT erleben" und erklärt, wann und wo die Erlebnisausstellung zu sehen ist. Wir freuen uns auf viele Besucher!

 

Charles Vincent

Wir stellen fest, dass wir zunehmend in einer Welt leben, in der sich Gruppen abschotten. Nicht nur in Bezug auf eine Behinderung, sondern auch in Bezug auf fremde Sprachen und Kulturen. Man spricht von einer offenen Gesellschaft. In Tat und Wahrheit mischen sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen aber – ausser im Schulzimmer – eher wenig. Die grosse Chance einer solchen Ausstellung kann es sein, aufzuzeigen, dass es gar keine bedeutenden Unterschiede gibt zwischen Menschen mit und Menschen ohne Beeinträchtigung. Und durch den Zugang zur Hörbehinderung können Besucherinnen und Besucher die Erfahrung übertragen auf den Umgang mit Menschen mit einer anderen Beeinträchtigung.

El Imposible Roasters unterstützt unerHÖRT erleben

Wir freuen uns die Rösterei „El Imposible Roasters“ für unsere Ausstellung gewonnen zu haben. Ihr Rohkaffee reist aus verschiedenen Teilen der Welt ohne Umwege ins luzernische Horw, wo sie in der eigens umgebauten Rösterei schonend und möglichst nahe beim Konsumenten weiterverarbeitet wird. Durch den Direktimport werden faire Löhne, sowie Transparenz vom Feld bis in die Tasse sichergestellt. UnerHÖRT guter Kaffee!

 

Pascal Liefert

In der Rolle als Primarschullehrer habe ich vor einigen Jahren eine Schülerin begleitet, die zwei Cochlea Implantate trug. Mithilfe des Audiopädagogischen Dienstes habe ich daraufhin vieles gelernt – von der Sprachentwicklung über die Förderung und Begleitung von hörbeeinträchtigten SchülerInnen bis hin zum Einsatz der technischen Hilfsmittel. Einmal vergass ich, nach Benutzung der FM-Anlage den Funk auszuschalten. Die Schülerin konnte meine Toilettenpause mithören und begrüsste mich zurück im Schulzimmer mit einem verschmitzten Lächeln. Das Thema Hörbehinderung muss nicht immer bitterernst sein, sondern kann auch sehr witzige Situationen hervorrufen. Seit sechs Jahren bin ich nun selbst Vater eines gehörlosen Kindes und habe die Ängste und Sorgen der ersten Lebensmonate am eigenen Leib erfahren. Die vielen Abklärungen, die Operation und die Ungewissheit über die Entwicklung unserer Tochter waren sehr belastend. Durch die Unterstützung unserer Audiopädagogin waren wir jedoch jederzeit sehr gut informiert und begleitet.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gehörlos sein nicht nur etwas Schweres und Belastendes ist. In dieser lauten Welt sehe ich darin durchaus auch eine Chance. Es wäre schön, wir würden es schaffen, den Mensch und nicht seine Behinderung ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit zu stellen.

Julia Stephan

Ganz bewusst mit Hörbehinderung in Berührung gekommen bin ich erst durch meine Arbeitskollegin, die selbst betroffen ist. Bei jungen Leuten mit Hörgeräten ist man jeweils total baff und fragt sich: Gibt’s das in dem Alter? Es wird eigentlich immer nur als Seniorenthema wahrgenommen. Hörbehinderte arbeiten mit verschiedenen Werkzeugen wie Hörgeräte, Gebärdensprache, oder Lippenlesen. Mich interessiert es, welche Tipps und Tricks es für Nicht-Betroffene gibt, um ein Gespräch möglichst hindernisfrei zu machen.

Ohne Rolf

Auf der Bühne sprechen wir kein Wort, sondern kommunizieren nur schriftlich. Das fühlt sich für das Publikum an wie Untertitel im Theater. Deshalb haben wir immer mal wieder hörbehinderte Menschen in unseren Vorstellungen. Wir haben aber selber keine Vorstellung davon, wie es ist, tatsächlich nichts zu hören. Die Ausstellung finden wir darum eine unerhört tolle Idee. 

Loredana Gsponer-Bertolotti

«Hallo liebe hörende Mitmenschen.

Um was geht es: Dieser Flyer gehört zur Ausstellung «unerHÖRT erleben». Wir möchten die hörenden Menschen bitten, uns zu besuchen. Es geht um gehörlose und schwerhörige Menschen, die im Alltag in der Kommunikation immer wieder anstehen. Damit möglichst viele hörende Menschen sich bewusst werden, was das für uns bedeutet. Bitte kommt – wir, die gehörlosen und schwerhörigen Mitmenschen, heissen euch herzlich willkommen!»

 

Iris Glockengiesser

Die Interessen und Bedürfnisse von schwerhörigen und gehörlosen Menschen gehen leider häufig vergessen, weil ihre Behinderung unsichtbar ist. Unsichtbarkeit erzeugt Unwissen. Die Ausstellung ist spannend, weil sie hier aufklären kann. Im Austausch mit Betroffenen können Besucherinnen und Besucher erfahren, was Hörbehinderung im Alltag bedeutet. Wir von der DISG setzen uns für die Bedürfnisse hörbehinderter Menschen ein. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderungen selbst aktiv werden und sich für ihre Rechte und Interessen engagieren.

Michael Ledergerber

Inklusion ist kein Fremdwort mehr und die breite Gesellschaft immer mehr sensibilisiert. In Theorie und Gedanken ist damit schon viel da. Die Inklusion orientiert sich jedoch oftmals an den Defiziten, anstatt Vielfalt als Ressource für die Gesellschaft anzuerkennen. So ist man darum bemüht, eine Kultureinrichtung hindernisfrei zu machen und meint, damit vieles abgedeckt zu haben. Hier braucht es einen Paradigmawechsel. Dann ginge der entscheidende Schritt von Theorie und Gedanken hin zur Umsetzung der Inklusion: Teilhabe und Teilnahme von Anfang an – ohne Wenn und Aber. 


Judith Rohrbach

Wir hatten gerade das Festival «Unfrisiert» im Kleintheater Luzern, wo die Inklusive Kultur im Zentrum stand. In der Vorbereitungszeit ist mir bewusst geworden, wie wenig ich teilweise über Schwierigkeiten von Menschen mit einer Beeinträchtigung Bescheid weiss. Es gibt zu wenige Schnittstellen im alltäglichen Leben, wo Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in Kontakt kommen oder sie bleiben unbemerkt. So haben wir Annahmen getroffen, die aus unserer Sicht logisch erschienen und in Kontakt mit Betroffenen gemerkt, dass wir falsch lagen – so kann sich manchmal die Welt drehen.

Louise Felder

Das Thema «nicht gut Hören» im Kleinkind- und Schulalter ist in der Gesellschaft zu wenig bekannt. Die Menschen verbinden das Handicap meistens mit älteren Menschen – den Eltern und Grosseltern. Damit sind sich viele, insbesondere auch PädagogInnen, der Auswirkungen und Hürden in der Sprachentwicklung und in der Schulbildung bei Klein- und Schulkindern nicht bewusst.

Für die Ausstellung wünsche ich euch viele Besucherinnen und Besucher «mit offenen Ohren», die ein Verständnis entwickeln können für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung im Allgemeinen und für die «kleinen Ohren» im Besonderen.

Sarah Wagner

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Yoga anbiete für Menschen mit einer Hörbehinderung, fragen sie, wieso das nötig sei. Es besteht das Missverständnis, dass Hörgeräte normales Hören ermöglichen. Die Ausstellung kann dieses Missverständnis aufklären und die Menschen für die Einschränkungen, die trotz oder gerade wegen Hörgeräten bestehen, sensibilisieren. Dieses Verständnis gelingt nur, so glaube ich, wenn die Menschen dieses «Hören» selbst erleben können.

Ich wünsche euch viel Mut und eine grosse Resonanz, die zu mehr Gehör für Höreinschränkungen aber auch für sämtliche Arten von Beeinträchtigungen führt.


Best Practice-Beispiel

Die Dienststelle Soziales und Gesellschaft (DISG) des Kantons Luzern wählt unsere Ausstellung unerHÖRT erleben als Best Practice-Beispiel.

Leben mit Behinderungen - Leitbild Kanton Luzern

Die Vielfalt der Menschen als Stärke! Dazu bekennt sich der Kanton Luzern und seine Bevölkerung mit dem neuen Leitbild «Leben mit Behinderungen». Das Leitbild zeigt auf, wie das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen gefördert und zum Mehrwert werden kann. 
Wir freuen uns sehr über die Bestätigung! Weil

  • seit Beginn des Projektes über zwei Drittel der Projektbeteiligten Menschen mit einer Hörbehinderung sind.
  • wir die Teilnahme und Teilhabe in der Gesellschaft fördern - das DazugeHÖREN.
  • die Ausstellung erstmalig und damit schweizweit ein Pionierprojekt ist.

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